14 | Wirtschaft Montag 9. April 2018

Eine Baustelle voll mit Bits und Bytes

Von Markus Zottler

Es ist eine der rasantesten steirischen Wachstumsgeschichten der jüngeren Wirtschaftsgeschichte: Seit dem Jahr 2004 verdoppelte der Logistik-Spezialist Knapp AG die Mitarbeiteranzahl alleine in der Firmenzentrale in Hart bei Graz von 1000 auf rund 2200 Personen. Ein Ende der Dynamik ist nicht in Sicht, Jahr für Jahr kommen zurzeit zwischen 100 und 150 neue Leute dazu.

Was im Grazer Umland zum schalen Beigeschmack führte, nicht mehr ausreichend Platz für die Mitarbeiter bieten zu können. Abhilfe soll nun ein neues, sechsgeschoßiges Bürogebäude schaffen. Konzipiert als „Innovationszentrum“, wird der Bau neben 470 zusätzlichen Arbeitsplätzen auch Platz für einen riesigen „Showroom“ bieten, den Knapp zur Leistungsschau der eigenen Produkte verwenden will. Schon im nächsten Jahr soll das Gebäude eröffnet werden, die reinen Baukosten dafür betragen 16 Millionen Euro.

So weit, so außergewöhnlich. In diese Kategorie lässt sich aber noch ein weiterer Aspekt dieses Projekts einreihen: Auch die Baustelle selbst fällt bereits aus der Norm. „Wir sind ziemlich sicher, dass das die erste voll digitalisierte Baustelle in Österreich ist“, erzählt Thomas Lorenz, Chef des gleichnamigen Ziviltechnik-Unternehmens, stolz. Das Büro, das bereits unter anderem Projekte in Saudi-Arabien und Russland realisierte, fungiert nun in Hart bei Graz als „primäre Anlaufstelle für Planung und Ausführung“ des Baus. Thomas Lorenz koordiniert gemeinsam mit seinem Projektleiter Christoph Schmied, aufgebaut wird auf dem Entwurf des Grazer Architekten Alfred Bramberger.

Was aber steckt nun hinter dem Schlagwort der voll digitalisierten Baustelle? Im Zentrum der Überlegungen steht eine Methodik, die sich BIM nennt und als Abkürzung für „Building Information Modeling“ dient. Übersetzt bedeutet das: Alle wesentlichen Bauwerksdaten werden digital modelliert und gespeichert, vom Entwurf eines Bauwerks bis zu dessen Fertigstellung. Verwendet wird dafür eine eigens abgestimmte und vernetzte Software-Landschaft.

Plastischer erklärt es Thomas Lorenz. „Der Plan ist bei uns nur mehr ein Abfallprodukt aus unserem Modell - aber ein 100 Prozent richtiges Abfallprodukt.“ Nicht nur die Geometrie eines Gebäudes wird via BIM abgebildet, sondern auch viele zusätzliche Informationen. Was dazu führt, dass Mengen und Massen - etwa für Beton - direkt aus dem Modell ableitbar sind. Das macht wiederum eine de facto tagesaktuelle Abrechnung möglich. Selbst die für gewöhnlich als handschriftliche A4-Zettel bekannten „Bautagesberichte“ werden digitalisiert und eingepflegt. Weil das Modell in Echtzeit aktualisiert wird, sollen überholte Baupläne der Vergangenheit angehören. „Man ist bei jeder Änderung schneller“, sagt auch Thomas Lorenz. Apropos schneller: Nur einmal wird der Bauspezialist an diesem Tag nachdenklich. Bis Ende Juli 2019 nämlich soll das Innovationszentrum bei Knapp stehen. Das sei „schon ambitioniert“. Trotz Digitalisierung.

In Hart bei Graz lässt die Knapp AG ein großes „Innovationszentrum“ bauen. Besonders spannend: Gebaut wird erstmals „voll digitalisiert“.