36 | MURTAL Sonntag 22. September 2019

Die Europaburg-Chefs Christoph Leitl und Christian Buchmann inmitten von jungen Europäern. Rechts: Ursula von der Leyen, die in Neumarkt ein Ferienhaus hat und auf deren Besuch man in der Europaburg hofft

kk, APA, fröhlich

Hier wird der Jugend Europa ins Herz gepflanzt

Jugendliche aus ganz Europa kommen in die „Europaburg“ Neumarkt und tragen das Motto „Frieden in Freiheit“ in ihre Länder. Christoph Leitl und Christian Buchmann ermöglichen es.

Josef Fröhlich

Christian Buchmann bleibt bescheiden: „Wir freuen uns schon, dass Frau von der Leyen überhaupt weiß, wo diese Region liegt.“

Aber irgendwann, wenn Ursula von der Leyen EU-Kommissionspräsidentin ist und sich in dieser Funktion eingearbeitet hat, dann wolle man sie „ermuntern, in die Europaburg nach Neumarkt zu kommen“, sagt Buchmann. Der frühere steirische Landesrat ist Geschäftsführer der Europaburg, die bis vor Kurzem Europahaus hieß und Einheimischen als Schloss Forchtenstein bekannt ist. Das Gebäude thront seit fast 900 Jahren über Neumarkt. Seit Mitte der 1950er-Jahre dient es als europäische Begegnungsstätte, betrieben von der Europäischen Förderalistischen Bewegung. Sie hat es im Vorjahr an eine Stiftung namens „Eyfon“ übertragen. An deren Spitze: Christoph Leitl, ehemaliger Präsident der Wirtschaftskammer. Mit Georg Spiegelfeld-Schneeburg, Franz Majcen, Gerhard Stürmer und Christian Buchmann hat er die Stiftung errichtet. „Wir haben insgesamt 100.000 Euro eingezahlt, die dem Substanzerhalt dienen, operativ geführt wird der Betrieb vom Verein Eyfon“, lässt Buchmann wissen.

Unter dem Motto „Frieden in Freiheit“ hat man es sich zum Ziel gesetzt, den Wert einer für viele allzu selbstverständlich gewordenen freien Gesellschaft zu vermitteln. Zielpublikum sind junge Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren, die sich über die Zukunft von Europa Gedanken machen sollen, etwa in Form von Diskussionen und Workshops. „Voraussetzung ist, dass die Gruppen aus mindestens drei Nationen bestehen. Gesprochen wird Englisch, und unser Ziel ist es, dass die Jungen den Europagedanken in ihre Heimatländer tragen“, erklärt Christian Buchmann, der rund einmal pro Woche nach Neumarkt kommt. Den operativen Betrieb schupft die Neumarkterin Kathrin Traumüller. Sie ist dafür zuständig, dass rund 1000 junge Menschen pro Saison unvergessliche Tage verbringen. „Jeder Teilnehmer soll nach seiner Rückkehr in seine Heimat Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen über seine Erfahrungen mit zumindest 20 weiteren jungen Menschen durchführen“, so Traumüller. Auf diese Weise solle ein „Schneeballeffekt“ zum Thema Europa erzeugt werden. „Wobei Europa für uns nicht nur EU heißt, da gehören auch Russland und der Westbalkan dazu“, betont Christian Buchmann, der wie Christoph Leitl schon etliche Institutionen und Firmen als Partner geholt hat.

Die Saison dauert derzeit nur von Mai bis Oktober, aus einem einfachen Grund: den Rest des Jahres ist es zu kalt, eine zeitgemäße Heizung einzubauen und den Heizbetrieb in den alten Gemäuern zu finanzieren ist derzeit nicht drin.

Ob die künftige Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in dieser Hinsicht helfen wird können, ist fraglich. Aber dass sie eines Tages ins Europahaus kommt, ist realistisch. Wie berichtet, hat ihre Familie zehn Autominuten entfernt auf der Oberberger Alm ein Ferienhaus, sie kennt die Gegend seit frühester Jugend.

Das Schloss Forchtenstein alias Europaburg thront seit fast 900 Jahren über Neumarkt. In den 1950er-Jahren übernahm es die Europäische Föderalistische Bewegung, die es im Vorjahr an die Eyfon-Stiftung von Christoph Leitl übertrug

Kathrin Traumüller schupft den operativen Betrieb

Angebot und Ziele der Europaburg

Eyfon, der Name von Stiftung und Verein, bedeutet „European Youth Forum Neumarkt“.

Jugendlichen aus ganz Europa werden Mehrtagesprogramme auf der Europaburg Forchtenstein geboten. Sie sollen über Zukunftsfragen ihres Kontinents diskutieren, Problemstellungen kritisch hinterfragen, Perspektiven entwickeln und motiviert werden, sich zu engagieren.

Im Angebot gibt es ein fachliches Programm (Präsentationen, Workshops, etc.) genauso wie gemeinsame Freizeitgestaltung, Kulturausflüge, sportliche Aktivitäten und gesellige Ereignisse.

Alle Informationen gibt es auf www.eyfon.at.