10 | International Dienstag 23. Juli 2019

Die WHO hat wegen der Ebola-Epidemie im Kongo am Donnerstag den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen APA

Im Kongo ist Ebola weiterhin außer Kontrolle

Von Ingo Hasewend

Seit einem Jahr wütet nun schon die Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Absehbar ist jetzt schon, dass es der größte Ausbruch des hämorrhagischen Fiebers wird seit dem Ausbruch 2016 in Westafrika mit 11.000 Toten und der zweigrößte seit der Entdeckung 1976. Mehr als 2470 Menschen sind aktuell laut Weltgesundheitsorganisation WHO an Ebola erkrankt, 1660 sind seit August 2018 gestorben. Die UN-Behörde hat deshalb am Donnerstag den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Nur viermal hat sie das zuvor getan.

Der gebürtige Osttiroler Marcus Bachmann koordiniert für „Ärzte ohne Grenzen“ den Ebola-Einsatz im Ostkongo und war von April bis Juni persönlich in Goma. Die Sicherheitslage sei in dieser Zeit sehr angespannt gewesen und habe sich erst zum Ende seiner Zeit in Goma etwas beruhigt, erzählt Bachmann, der seinen fünften Ebola-Einsatz im Kongo hatte. Diese politische Instabilität hatte Auswirkungen auf die Arbeit der Hilfsorganisationen – nicht nur von Ärzte ohne Grenzen – und damit auch auf den Verlauf der Epidemie. „Als Konsequenz der unsicheren Lage konnten insgesamt sehr viele Aktivitäten nur sehr eingeschränkt oder gar nicht ausgeführt werden“, sagt Bachmann. Dies habe dazu geführt, dass neue Fälle nicht frühzeitig identifiziert werden konnten. Deshalb wurden Neuerkrankte nicht rechtzeitig isoliert und behandelt. Dies minderte wiederum die Überlebenschance und erhöhe zugleich das Übertragungsrisiko für die Angehörigen und das Pflegepersonal.

Schon im Mai hatte er eine internationale Ausbreitung befürchtet, weil die Übertragungsrate mit mehr als 100 Fällen pro Woche sehr hoch gewesen sei und wegen der logistischen Einschränkungen im Krisengebiet weiter anstieg. Die WHO sieht die Epidemie weiterhin außer Kontrolle.

Im Gegensatz zu der Epidemie im Jahr 2016 gibt es allerdings einen Hoffnungsschimmer, es gibt einen Impfstoff. „Die Impfung ist hochwirksam und sicher, so viel lässt sich schon sagen“, erklärt Bachmann. „Das Problem ist allerdings, dass der Impfstoff noch nicht zugelassen ist. Er kann also nur im Rahmen von klinischen Versuchen unter sehr strengen und kontrollierten Bedingungen zur Anwendung kommen, was die Impfung sehr aufwendig und teuer macht“, sagt der Ebola-Experte. Es sei zudem noch unklar, wie lange der Impfstoff schützen wird. Daher fordert er, die aktuelle Impfstrategie zu erweitern und nicht nur in einem direkten Ring um den Betroffenen zu impfen. Er hoffe auch auf eine Beschleunigung des Zulassungsverfahrens für den Stoff.

Einen Lerneffekt nach insgesamt zehn Ausbrüchen im Kongo sehe er trotz aller Schwierigkeiten in der Krisenregion dennoch. Dies liege vor allem an den vielen lokalen Mitarbeitern, die ihre Kenntnisse enorm erweitert hätten. Der Schlüssel liege im Vertrauen der Bevölkerung. Dies sei über seine Mitarbeiter schon ein gutes Stück vorangekommen. Es sei in dem Riesenland allerdings eine große Herausforderung. Es gebe eine große Unsicherheit im Umgang mit der Krankheit. „Außerdem ist es auch schwer für die Familien, die Gesundheitszentren zu erreichen, wenn die Kämpfe laufen.“

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Ärzte ohne Grenzen ruft zu schnellem Handeln auf.