18 | Steiermark Sonntag 9. Juni 2019

Fery Berger am Weizberg, wo auch fürs Auge sichtbar Tradition (Basilika aus dem 18. Jahrhundert) und Moderne (Schwebebalken von Walter Kratner, 2004) eng zusammengehören BREITLER

Kritiker und Gestalter innerhalb der Kirche

Steirer des Tages. Vor 30 Jahren gründete eine Gruppe rund um Fery Berger die Weizer Pfingstvision. Heute ist der Theologe nach wie vor sehr aktiv und plant ein Pilgerzentrum am Weizberg.

Von Robert Breitler

Wenn mit dem heutigen Pfingstgottesdienst in der Basilika am Weizberg der letzte Höhepunkt der heurigen Pfingstvision erreicht ist, kann deren Leiter Fery Berger auf 30 erfolgreiche Jahre zurückblicken.

Was er Ende der 1980er-Jahre gemeinsam mit anderen jungen Weizerinnen und Weizern als eine Aufbruchsbewegung innerhalb der katholischen Kirche initiiert hatte, ist heute weit mehr als ein alljährlich wiederkehrendes Treffen von Gläubigen und spirituell Interessierten. Aus der Vision entstanden im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Projekte und Initiativen in der Region – und stets war der studierte Theologe tonangebend mit dabei.

Aus der Jugendbewegung entwickelte sich nach den ersten Jahren eine innerkirchliche Reforminitiative. „Ganz im Sinne des Auftrags an Franz von Assisi: ,Bau meine Kirche wieder auf!‘“, erläutert Berger. 1995 wurde die Pfingstvision schließlich in zehn Punkten zu Papier gebracht, die vor allem auch durch den ersten Unterzeichner in ganz Österreich bekannt wurde: Kardinal Franz König unterschrieb die Pfingstvision, die für eine Öffnung der Kirche, mehr Solidarität sowie mehr Spiritualität eintrat. Rund 30.000 Menschen folgten seinem Beispiel.

„Das Engagement von Kardinal König war natürlich einer der Höhepunkte der letzten 30 Jahre“, erinnert sich Berger noch gerne daran zurück. Es sollte aber nicht das einzige Mal sein, dass der oststeirische Theologe mit der Kirchenobrigkeit zusammentraf. Nicht immer friktionsfrei, wie Berger mit einem Lächeln zugibt. „Bischof Egon Kapellari und ich haben uns gegenseitig sehr geschätzt. Meine kritische Haltung kam bei ihm aber nicht so gut an“, erzählt Berger. „Es hat immer wieder Widerstände gegen unsere Arbeit in Weiz gegeben.“ Hat er deshalb etwa auch keine Karriere innerhalb der Kirche angestrebt? „Mir ist immer eine Karriere nach unten vorgeschwebt. Das heißt, Caritas-Arbeit zu machen, sozial zu arbeiten, aber eben auch kirchenkritisch zu sein“, antwortet Berger – wieder ganz im Sinne von Franz von Assisi.

Dessen Namensvetter und gleichzeitig ersten Papst mit diesem Namen traf Berger Ende Mai in Rom. Dabei überreichte Berger dem katholischen Kirchenoberhaupt das Konzept eines Pilgerzentrums am Weizberg. Warum dieses den Zusatz „Im Geist von Papst Franziskus“ tragen wird, erklärt Berger so: „Es war so eine Überraschung: ein Papst, der sich nach Franz von Assisi nennt und sich dann auch noch für eine Kirche der Armen einsetzt. Genau das haben wir bei unserem Pfarrkonzil im Jahr 1995 so formuliert. Durch Papst Franziskus kommt das jetzt zeitverzögert“, freut sich der 58-jährige Theologe, der seit 1987 an der Pfarre Weiz beschäftigt ist.

Dabei hatte er als Jugendlicher noch den Traum, Politiker zu werden. „Ich stamme aus einer hochpolitischen Familie“, erzählt Berger. Der Urgroßvater war Reichstagsabgeordneter in Wien, der Großvater saß im Steiermärkischen Landtag und der Vater war als Vizebürgermeister in der Heimatgemeinde Anger aktiv.

Bei Berger wurde es dann zwar Theologie und nicht Politik, in der Gesellschaft etwas bewegen wollte er aber auch vor diesem Hintergrund. So entstanden unter seiner Federführung in den Jahren danach heute „völlig verselbstständigte Kinder der Pfingstvision“, wie etwa die Solidarregion Weiz oder der „Way of Hope“. Während Erstere – ausgelöst durch den Verkauf der VA Tech Hydro im Jahr 2005 – vor allem auf regionale Solidarität setzt, versteht sich der 2009 gegründete „Way of Hope“ als überparteiliche, interreligiöse Basisbewegung, die sich für einen Wandel der Gesellschaft engagiert.

Dieses neue Projekt wirkte anfangs „wahrscheinlich etwas elitär“, gesteht Berger rückblickend ein. Das sollte sich 2014 grundlegend ändern: Als auch in Weiz immer mehr Menschen vor allem aus Syrien und Afghanistan Zuflucht suchten, stellte „Way of Hope“ Wohnungen zur Verfügung und organisierte Deutschkurse. „Von Anfang an haben wir probiert, nicht nur die Grundversorgung zu gewährleisten, sondern uns auch für die Integration der Flüchtlinge zu engagieren. Gott sei Dank haben viele Asyl bekommen“, freut sich Berger. Noch heute betreut der „Way of Hope“, dessen Sprecher Berger ist, rund 30 Asylwerber in der Bezirksstadt.

Seit Kurzem steckt Fery Berger einen Großteil seiner Energie ins neue Pilgerzentrum am Weizberg. „Als die Kirche vor eineinhalb Jahren zur Basilika erhoben worden ist, kam mir diese Idee“, erinnert er sich. Mittlerweile wurde in Kooperation von Pfingstvision und Pfarre ein Konzept erarbeitet. Der Öffentlichkeit präsentieren wird Berger das Vorhaben heute nach dem Weizer Pfingstgottesdienst (Beginn: 10.30 Uhr).

Beim Pilgerzentrum gehe es darum, so Berger, Menschen in einer zeitgemäßen Sprache auch unter Einbindung neuer Medien anzusprechen und Spiritualität sowie Solidarität zu fördern – wie vor 30 Jahren mit dem ersten Pfingsttreffen.

Kardinal König unterschrieb als Erster die Pfingstvision KK

Zur Person

Fery Berger wurde 1961 in Anger geboren, wo er noch heute wohnt. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Er studierte katholische Theologie; seit 1987 ist er in der Pfarre Weiz beschäftigt.