36 | MUERZTAL Sonntag 19. Mai 2019

Ein balzender Auerhahn hat Momente, in denen er nichts hört. Die muss man nützen SIEGLINDE LIEBHART

Den Auerhahn muss man „anspringen“

Die Auerhahnbalz ist auch für Jäger immer wieder ein Erlebnis. Es ist nicht leicht, sich dem Hahn unbemerkt zu nähern. Man muss jene kurzen Momente nützen, in denen er nichts hört.

Von Franz Pototschnig

Es ist vier Uhr früh und noch stockfinster, als wir aus dem Geländewagen steigen. Es ist sehr frisch, immerhin sind wir in 1200 Meter Seehöhe. „Geh am Wegrand, damit man dich nicht hört“, mahnt Bezirksjägermeister Anton Karlon den Neuling. Karlon hat gemeinsam mit seinem Bruder ein 135 Hektar großes Revier in Turnau.

Wir sind so früh unterwegs, um die Balz der Auerhähne zu beobachten. „Sie ist schon im Abklingen, aber im Revier haben wir jedes Jahr fünf bis sechs Hahnen.“ Plötzlich steht Karlon wie angewurzelt. „Hörst du nicht?“, flüstert er. Jetzt, wo er es sagt, höre ich ein leises Klopfen und am Ende ein lauteres gutturales Klacken: „Plop!“ Es kommt von unterhalb des Forstweges.

Das „Plop“ ist der „Hauptschlag“. Karlon huscht einige Schritte weiter, ich hinterher, da steht er schon wieder still. „Du musst gleichzeitig mit mir gehen, nach dem Hauptschlag hört der Hahn für ein paar Sekunden nichts, nur da dürfen wir uns bewegen.“

In diesem Moment ist auch von oberhalb des Weges ein Auerhahn zu hören. „Wir konzentrieren uns auf den Unteren, da können wir uns leichter nähern“, flüstert Karlon.

Etwa alle zehn Sekunden ist ein Hauptschlag zu hören, nach diesem springen wir rasch zwei, drei Schritte nach vorn. „Anspringen“ heißt das sehr treffend in der Jägersprache.

Mittlerweile ist es heller geworden, die Wolken ziehen rasch über uns hinweg, in der Ferne sehen wir schon deutlich die ausgedehnten Schneefelder der Hohen Veitsch. Höchste Zeit, die Kamera auszupacken.

„Schau, da sitzt er“, Karlon zieht mich hinter einen Baum. Tatsächlich. In etwa 15 Meter Entfernung sieht man die schwarzen Umrisse des großen Vogels auf einer Fichte, viel zu dunkel für ein Bild. „Später geht er zu Boden und balzt weiter, da sind die Chancen besser“, sagt Karlon leise. Wir bemühen uns, näher zu kommen, aber plötzlich streicht der Hahn ab.

Wir hören ihn noch ein paarmal schlagen und Äste knacken, auf die er tritt, immerhin hat ein ausgewachsener Hahn um die drei Kilo. Dann streicht noch ein anderer großer Vogel ein, wir hören ein lockendes Gurren: „Das ist eine Henne“, erklärt Karlon.

Mittlerweile ist es 5.30 Uhr geworden, das Licht wäre jetzt gut. Anton Karlon geht aber wieder ganz normal: „Die Balz ist für heute vorüber“, meint er trocken. Die Bilanz: Wir haben mehrere Auerhähne gehört, einen ganz deutlich gesehen, aber die Foto-Ausbeute ist spärlich. Trotzdem ist es sehr spannend, sich auf die Fährte dieses urtümlichen Vogels zu machen. Karlon: „Er ist sehr vorsichtig. Das macht zum Teil den Reiz der Auerhahnbalz aus.“

Der Auerhahn ist zwar selten geworden, akut bedroht ist er aber nicht, sagt Karlon: „Er liebt lichte Hochwälder, weil dieser große, plumpe Vogel Platz zum Auf- und Abbaumen braucht.“ So nennen die Jäger das Starten und Landen.

Die Wälder, die das Auerwild bevorzugt, liegen meist in 1000 Meter Seehöhe und darüber. Das Auerwild ist daher auch immer ein Thema, wenn ein Windpark gebaut wird. Es ist wenig flexibel und wechselt nur schwer den Lebensraum.

Wir sind mittlerweile auf dem Rückweg, der Zauber des unbewohnten nächtlichen Waldes ist geschwunden. Karlon erzählt von der Faszination der Jagd – und erstmals verstehe ich diese Begeisterung.

Bezirksjägermeister Anton Karlon hat ein Revier in Turnau POTO

Auerwild im Bezirk

Lebensraum: Lichte Hochwälder mit genug Platz zum Starten und Landen

Im Bezirk Bruck wurden im Vorjahr 359 Hahnen gezählt.

Abschuss: Ein Prozent des Bestandes pro Jahr ist erlaubt, also im Bezirk Bruck drei bis vier Exemplare.

Zählung: Die Revierjäger führen die Zählung durch, ein revierfremder Zeuge bestätigt das. Beim Bezirksjägermeister laufen die Fäden zusammen – und in weiterer Folge im Landesjagdamt.

Heuer wird die Kartierung in der Steiermark erstmals elektronisch mit GIS (Geografisches Info-System) durchgeführt.