24 | MUERZTAL Freitag 22. Februar 2019

Der Appetit beim Wild (hier abgebildet Rotwild) ist groß, das Futter jedoch knapp. Das hat auch mit einem erhöhten Energiebedarf zu tun, der etwa durch zu viele Tourengeher im Lebensraum entsteht POTOTSCHNIG

Gemeinsam auf Nahrungssuche

Der Druck auf den Lebensraum des Wilds steigt, auch die Nahrung ist knapp. Nun machen Mürzer Waldverband und Jäger gemeinsame Sache.

Von Marco Mitterböck

Mitunter vertreten Waldbesitzer und Jäger unterschiedliche Standpunkte, was das Verhältnis von Wald und Wild in der Natur betrifft. Die einen hätten lieber mehr Wald, die anderen würden sich über mehr Wild freuen, so der theoretische Ansatz. Geregelt wird diese Beziehung in der Mariazeller Erklärung, im Bezirk Mürzzuschlag sorgen Waldverband und Jägerschaft nun für ein gelebtes Beispiel dieses 2012 verfassten Schriftstücks. „Wir brauchen eine Vielfalt an Sträuchern, Bäumen und Wildbestand“, sagt der in Spital wohnhafte Landwirt Martin Spreitzhofer.

Gemeinsam mit der Lagerhausgenossenschaft rufen Waldverband und Jägerschaft deshalb eine zehn Tonnen umfassende Aktion für Wildfuttermittel ins Leben, um speziell das Rehwild möglichst gut durch den extrem ausfallenden Winter zu bringen. Die Fütterung des Rotwilds muss behördlich genehmigt werden. „Wenn man in den Städten schaut, ist dort vielleicht schon Frühling. Aber der Winter ist in den Wäldern noch nicht vorbei“, sagt der Mürzzuschlager Bezirksjägermeister Hannes Fraiss. Vor allem die Länge des laufenden Winters, begonnen hat er bereits Mitte Dezember, stellt sowohl Jäger als auch Waldbesitzer und Wildtiere vor eine große Herausforderung. „Der Druck auf den Lebensraum nimmt permanent zu“, analysiert Fraiss.

Zu den temperaturbedingten Störungen kommen noch jene dazu, die vom Menschen erzeugt werden. „In der Natur gilt: Störungen, die man umgehen kann, sollte man umgehen. Im Wald ist das Wild Einwohner, wir Menschen sind nur Gäste“, sagt Christian Rinnhofer vom Waldverband und bezieht sich damit auf die steigende Anzahl von Tourengehern. Indem sie die vorgegebenen Wege verlassen und neue Routen suchen, scheuchen sie das Wild auf, das die Flucht ergreift, dafür viel Energie aufwenden muss und sich letztlich in einem unbekannten Gebiet befindet. „Wenn dann noch ein Tourengeher stürzt und einen Hubschrauber benötigt, ist das ein Super-Gau“, erklärt Spreitzhofer. Ebenso Einfluss auf den Lebensraum nehmen beispielsweise Ausflügler, die zu Vollmond-Zeiten auf den Bergen unterwegs sind und damit die Nachtruhe des Wilds stören.

Dort, wo das Wild letztlich hin flüchtet, entstehen Nahrungsengpässe, die Tiere müssen auf die vorhandene Vegetation ausweichen und fügen dann auch den Sträuchern Bissschäden zu. Rinnhofer, primär zuständig für den Wald, sieht in den derzeit milderen Temperaturen die Möglichkeit, die vorhandenen - und auch beim Wild bekannten - Futterstellen aufzufüllen, um für eine Rückkehr des Winters gewappnet zu sein.

Störungen, die man umgehen kann, sollte man umgehen. Im Wald ist das Wild Einwohner, wir Menschen sind nur Gäste.

Christian Rinnhofer, Waldverband

Martin Spreitzhofer, Christian Rinnhofer und Hannes Fraiss (von links) machen gemeinsame Sache MM