20 | Kärnten Samstag 20. Oktober 2018

Kind kam mit harmlosen Symptomen ins Spital und starb

Ernst Maiditsch, Anwalt des Klinikums

Von Manuela Kalser

Ein 19 Monate altes Mädchen kam mit harmlosen Symptomen ins Klinikum Klagenfurt. Es hatte Husten, leichtes Fieber und erbrach. Zwei Tage später starb das Kind.

„Bei der Aufnahme im Elki wurde der Zustand unserer Tochter falsch eingeschätzt“, kritisieren die Eltern. Es sei eine Lungenentzündung diagnostiziert worden. „Heute wissen wir: Unsere Tochter hatte eine Herzmuskelentzündung, die leider zu spät erkannt wurde.“

Ein Jahr nach dem Tod ihres Kindes haben die Eltern - nach reiflicher Überlegung - den St. Veiter Anwalt Paul Wolf eingeschaltet. „Uns wurde im Klinikum immer gesagt, der Tod unseres Kindes sei nicht zu verhindern gewesen. Aber wir hatten das Gefühl, dass etwas unter den Teppich gekehrt wird“, erzählt die Mutter.

Ihr Rechtsanwalt ließ ein privates Gutachten erstellen. Daraus geht im Wesentlichen hervor, dass bei dem Mädchen, als es ins Spital kam, ein Röntgenbild (Thorax-Aufnahme) gemacht wurde. Die Bewertung dieser Aufnahme hätte rasches Handeln erfordert, meint der Gutachter. Laut Anwalt Wolf sei dieses Röntgen aber zu spät befundet worden. Wolf argumentiert: „Wenn die Ärzte das Röntgen rasch und korrekt bewertet hätten, wäre es zu weiteren Untersuchungen gekommen, bei denen die Herzmuskelentzündung schneller zu erkennen gewesen wäre.“ Dann wäre das Mädchen vielleicht zu retten gewesen. Wobei der Gutachter auch festhält, dass selbst bei optimaler Therapie ein Überleben bei akuter Herzmuskelentzündung nie garantiert ist.

Es komme extrem selten vor, dass ein so kleines Kind an einer Herzmuskelentzündung erkrankt, betont Ernst Maiditsch, der Rechtsanwalt des Krankenhauses. Nach Rücksprache mit dem Klinikum nimmt er Stellung: „Es handelt sich hier um einen äußerst tragischen Fall. Der bedauerliche Verlauf der schweren Krankheit war schicksalhaft.“

Die Eltern sagen: „Unsere Tochter hätte sofort auf die Intensivstation gehört und ruhig liegen müssen, stattdessen kam sie auf die normale Station und musste Inhalationen machen, was sie zusätzlich angestrengt hat.“ Erst nach etwa sieben Stunden sei das Kind auf die Intensivstation gekommen.

Zuerst habe es geheißen, das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Plötzlich aber sei Panik ausgebrochen. „Ein Arzt sagte mir auf einmal, dass unser Kind die Nacht wohl nicht überleben werde“, schildert der Vater. Eben noch hieß es, es sei nichts Dramatisches, dann auf einmal war vom Sterben die Rede, erzählt der Vater weiter.

Das kleine Mädchen hat gekämpft und überlebte entgegen den Prognosen die erste Nacht. Doch dann verstarb es. „Die Ärzte auf der Intensivstation haben alles getan, um unser Kind zu retten. Ihnen sind wir dankbar“, betonen die Eltern.

Ihr Vorwurf richtet sich an die Vorgehensweise bei der Aufnahme. „Warum wurde der Ernst der Lage nicht rechtzeitig erkannt?“

Paul Wolf ließ dem Klinikum einen Anwaltsbrief zukommen. „Nach mehreren Wochen bekam ich ein Schreiben, in dem eine außergerichtlichen Lösung vorgeschlagen wird“, erklärt der Anwalt. „Wir haben ein Vergleichsangebot gestellt“, bestätigt Maiditsch.

Die Eltern haben lange überlegt, ob sie an die Öffentlichkeit gehen sollen: „Aber wir finden unsere Geschichte gehört aufgezeigt. Vielleicht können wir dadurch verhindern, dass so etwas noch einmal passiert.“

Ein 19 Monate altes Mädchen starb an einer Herzmuskelentzündung. Der Ernst der Lage sei zu spät erkannt worden, sagen die Eltern. Klinik spricht von schicksalhaftem Verlauf.

Paul Wolf, Anwalt der Eltern WEICHSELBRAUN, KALSER