40 | Sport Montag 30. Juli 2018

Die Tirolerin Laura Stigger fuhr in Stattegg zu EM-Gold bei den Juniorinnen

BERND GRUBER/KK (3)

Wenn der Berg in die Knie geht

Sie war bei der Mountainbike-EM in Stattegg wieder eine Klasse für sich: Laura Stigger holte EM-Gold bei den Juniorinnen. Bald muss sich die Konkurrenz auf der Straße fürchten.

Von David Baumgartner

Man könnte meinen, dass Berge ehrfurchtsvoll in Deckung gehen, wenn Laura Stigger in die Pedale tritt. Anstiege können noch so knusprig sein, sie meistert sie in einem Tempo, dass selbst Elitefahrer große Augen machen. Und getreu dem Motto „Je steiler, desto Stigger“ ist die 17 Jahre junge Tirolerin bei der Cross-Country-Europameisterschaft in Stattegg einmal mehr über sich hinausgewachsen und sicherte sich den Europameistertitel bei den Juniorinnen.

Bereits beim ersten Anstieg ist sie den Gegnerinnen - die mit mehrfachen Jugend-EM-Siegerinnen wahrlich keine „No-Names“ waren - enteilt und gab die Führung nicht mehr aus der Hand. Technische Schwierigkeiten meisterte sie, als seien sie gar keine. Sie fuhr nicht nur auf einer eigenen Linie, sondern auch in einer eigenen Liga. „Das ist gewaltig. Ich habe schon viel erreicht, aber dieser EM-Titel ist nochmals eine Draufgabe“, sagte Stigger hinter der Ziellinie. Das Publikum am Streckenrand hat sie zusätzlich beflügelt: „Es war der Wahnsinn, wie die Fans Stimmung gemacht haben. Da schmerzen die Beine gleich weniger, wenn man so eine tolle Unterstützung bekommt.“ Und damit verlängerte sie eine Serie, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Ein einziges Rennen hat sie in vier Jahren nicht gewonnen - und das aufgrund eines Patschens.

„Sie ist ein Jahrhunderttalent“, urteilte Statteggs OK-Chef Jürgen Pail. Jeder habe einen Sieg von Stigger erwartet, angemerkt hat man ihr das aber nicht. „Sie hat keine Nerven aus Drahtseilen. Sie hat gar keine Nerven“, sagte Pail und lacht. „Sie hat schon so viel weggesteckt. Der Weg zu einer Weltcupsiegerin ist weit. Aber das weiß sie.“ Prominente Sponsoren wie Red Bull sind längst an Bord und auch große Namen aus der Mountainbike-Szene sind auf sie aufmerksam geworden. Wie etwa auch Bart Brentjens: Der allererste Olympiasieger im Cross Country der Geschichte (Atlanta 1996) und das Oberhaupt des „Bart Brentjens MTB Racing Team“ war in Stattegg zugegen - und wie die Vögel zwitschern, könnte Stigger bald in seinem Team landen.

In der U23 hat Wahl-Grazerin Lisa Pasteiner in ihrem ersten Jahr in dieser Altersklasse einen tollen 15. Rang erreicht. Der Teamtrainer der Österreicher, Christoph Peprnicek, bilanzierte zufrieden: „Bei den Juniorinnen sind wir mit Laura stark, auch darüber hinaus waren die Leistungen in Ordnung. Bei den Buben müssen wir allerdings noch einen Zahn zulegen, da haben wir derzeit leider den Anschluss an die Weltspitze verloren.“ Der Junioren-Titel (Alexandre Balmer) ging wie der weibliche U23-Titel (Sina Frei) in die Schweiz, der Franzose Joshua Dubau siegte bei den U23-Herren. Stattegg war aber nicht nur für die dominanten Schweizer Mountainbiker ein Fest, sondern auch für die Zuschauer und Organisator Jürgen Pail: „Ich bin zufrieden, es hat allen gefallen.“

Das Mountainbike ist ihr Leben, doch auch die Konkurrenz auf der Straße muss sich hüten: Laura Stigger wird bei der Straßen-WM Ende September in Innsbruck auf das Rad steigen. Doch schon davor, von 5. bis 9. September, wird bei der Mountainbike-WM in Lenzerheide um Gold gefahren. Und da wird Stigger nicht nur Berge erklimmen, sondern womöglich auch wieder die Podestspitze.

Es gab packende Duelle ...

... und strahlende Sieger. In der Mitte: Laura Stigger