62 | Kultur Mittwoch 2. Mai 2018

ORCHESTER RECREATION GRAZ

Georg Friedrich, der Barockpoet

Barock-Lyrikerin: Stephanie Houtzeel WESELY

Erkundet wurde die Poesie von Händels Opernmusik.

Es muss nicht immer die große Geste sein. Stephanie Houtzeel, Mezzosopran mit Grazer Opernvergangenheit und heute vor allem auf den Wiener Bühnen zu Hause, ist keine feurige Barock-Diva, sondern eine Lyrikerin. Sie bietet fein gezeichnete, intime Studien. „Scherza, infida“ aus „Ariodante“ und „Lascia ch'io pianga“ aus „Rinaldo“ werden da zu schmerzensreichen, aber nicht larmoyanten Seelenerkundungen, in denen Houtzeel mit berückenden Piani aufwartet. Selbst so berühmte Effekte wie das Messa di voce am Beginn von „Ombra mai fu“ zelebriert die Sängerin unspektakulär. Ihr Mezzo hat eine Stimmfarbe, eine sinnliche Qualität, die vielen Countertenören abgeht, und die zahlreichen Verzierungen der Bravourarien kommen völlig natürlich über die Rampe.