67 | Kultur Mittwoch 14. März 2018

recreation

Die Erfüllung eines Traums

Das Orchester recreation lud zu „Mahlers Fünfter“.

Christian Muthspiel hatte einen Traum: Er wollte Mahlers Fünfte im Stefaniensaal dirigieren. Mit dem Orchester recreation wurde die Umsetzung einfach zum Erlebnis. Zuerst erläuterte Muthspiel das Kontrastprogramm („royal versus proletarisch“), da Gustav Mahlers berühmter Symphonie Kurt Weills „Kleine Dreigroschenmusik“ als Prolog vorangestellt war, und erzählte von den biografischen Gemeinsamkeiten der Komponisten. Weills Potpourri, destilliert aus der „Dreigroschenoper“, geriet auch stimmig und effektvoll.

Der Höhepunkt war erwartungsgemäß Mahler. Geballte Energie und musikalische Explosionen wechselten mit kunstvoll schleppenden, wie von Mühsal beladenen Passagen im Trauermarsch; im 2. Satz steigerte sich die vom Komponisten geforderte „größte Vehemenz“ zum Teufelsritt, bei dem dennoch die Themen fein herausgearbeitet und transparent waren. Durchgehend fesselnd und hochenergetisch begeisterte der 55-Jährige auch mit zärtlicher, nicht süßlicher Klangschwelgerei im Adagietto. „Ich glaube, dass man die Musik nicht im Schönklang ertränken darf“, hatte Muthspiel zuvor gesagt. Mit Mahlers „Fünfter“ hatte er sich einen Traum erfüllt. Und dem begeisterten Publikum auch. Eva Schulz

Christian Muthspiel

KMETITSCH