67 | Kultur Mittwoch 18. Oktober 2017

KONZERTKRITIK

Kraft nicht nur am Pult

recreation-Orchester bot gelungenen Saisonstart.

Wo beginnen? Bei der Dame, versteht sich. Die Finnin Eva Ollikainen machte augen- und ohrenfällig, wie sich allerorten fähige Frauen am Pult im Vormarsch befinden. Wartete die 35-Jährige doch mit bezwingender und plausibler Gestik auf und brachte das bestens disponierte Grazer Orchester recreation im Stefaniensaal zum Aufblühen.

Und dies nicht nur bei Richard Wagner. Die Ouvertüre zu „Tannhäuser“ mit dem anschließenden Bacchanal in der Pariser Fassung erfuhr mit seiner schon „tristanesken“ Harmonik eine durchdacht farbenreiche, mit viel innerer Spannung ausgestattete Darstellung. Hernach, pianozart und sphärisch, das Vorspiel zu Lohengrin. Attacca ein mit mannigfachen Klangeffekten nachvollziehbar gestaltetes „Asteroiden“-Stück von Ollikainens Landsfrau Kaija Saariaho.

Dazwischen verdeutlichte Bernd Glemser, auch in Graz gern gehörter Tastenmagier der A-Liga, als Solist im einsätzigen A-Dur-Konzert von Franz Liszt virtuos und klangsensibel alle schillernden Nuancen der Partitur.

Von der Dirigentin und den hoch motiviert aufspielenden Musikern fluoreszierend durchgestaltet, mündete die 7. (und letzte) Sinfonie von Jean Sibelius schließlich im erlösenden C-Dur.

Walther Neumann

Pianist Bernd Glemser WERNER KMETITSCH