60 | Medien Mittwoch 19. Juli 2017

RONDELL GALLERY

Knappe Striche, süße Früchte

Vor zwanzig Jahren starb Hartmut Urban. In Schwanberg, wo viele seiner Werke entstanden, ist nun eine kompakte Retrospektive zu sehen.

Hartmut Urbans Tod im Mai 1997 kam völlig unerwartet. Kurz nach der großen Personale „Erdbeerland“ im Grazer Kunstverein, wenige Tage vor der Eröffnung der Ausstellung „Bilder zu Alfred Kolleritsch 1978-1996“ in Köflach. Zwei Ausstellungen, welche das breite Spektrum der Kunst des 1941 in Klagenfurt Geborenen markant absteckten.

Letztere zeigte den an der Wiener Akademie (u. a. bei Walter Eckert, Herbert Boeckl und Maximilian Melcher) ausgebildeten Maler und Grafiker, erstere vor allem den auch das alltägliche Leben als künstlerischen Akt auffassenden Menschen.

Dem Titel entsprechend inszenierte Urban damals kulinarisch-opulent die Schönheit von Früchten und Gemüsen, verwandelte diese gleichsam alchemistisch in Gläsern und auf Fotos in ästhetische Manifeste.

Zwanzig Jahre nach dem Tod des Künstlers, der 25 Jahre als nicht minder passionierter Kunsterzieher am Grazer Akademischen Gymnasium tätig war, erinnert eine überfällige Schau an ein facettenreiches Werk. In Schwanberg, wo Urban lange ein Atelier hatte. Eine kompakte Retrospektive, die versucht, die angesprochene Vielfalt des OEuvres exemplarisch abzubilden. Von der pointierten, mit wenigen Strichen ausgeführten Zeichnung bis zum Objekt aus gefundenen Materialien. Vom leuchtenden Aquarell bis zum expressiven Gemälde.

Hartmut Urban wird als experimentierfreudiger Gestalter präsentiert, der seine Arbeiten ideen- und erfolgreich vor der Versteinerung einer Handschrift zur Manier bewahrte. Einer, dem Kunst ein ernstes Anliegen war und der sie gerade deshalb mit erheblichem Witz unterlegte. Walter Titz

Hartmut Urban. Eröffnung: 22. 7., 19 Uhr, Ausstellung bis 27. 8. Rondell Gallery Schwanberg. rondell-gallery.at

„Bowery“: Werk von Hartmut Urban KK